Donnerstag, 13 September 2012 23:00

Neue Tests lassen Klettersteigsets alt aussehen

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Neue Testverfahren lassen Klettersteigsets alt aussehen

UIAA ruft weltweit alle Klettersteig-Begeher zur Überprüfung ihres Materials auf

Sicherheitstandards und Norm unzureichend

14.09.2012, Berlin: Die UIAA (International Mountaineering and Climbing Federation) warnt in einer Presseerklärung vom 13.09.2012 Klettersteig-Nutzer eindringlich davor, ohne über das eigene Material Informationen eingeholt zu haben, sich mit ihren Klettersteigsets zu sichern. Betroffen sind Klettersteigsets mit elastischen Karabinerarmen der neueren Generation. Der Unfall eines 17-jährigen mit tödlichem Ausgang am 05.08.2012 in Tirol, Österreich, bei dem das Klettersteigset bei Sturz riss, führte zu einer bisher weltweit einmaligen Rückrufaktion unterschiedlichster Klettermaterialherstelller.

 

Da das Problem eindeutig auf die Schlingen zurückzuführen war, testeten eine Reihe von Herstellern ihre Klettersteigsets. Das Ergebnis war,

dass durch die Verwendung eines speziellen Materials mit spezifischer Webart und der Verwebung mit dem Gummimaterial in Kombination mit Verschmutzung und Nutzung am Material eine starke Schädigung auftritt. Auf Grund dessen, konnten die Schlingen die Mindesthaltbarkeit nicht mehr aufweisen.

Die Problematik bei Klettersteigsets sei, nach Florian Hellberg vom DAV-Sicherheitskreis, bisher eher in der Bruchfestigkeit und Funktion der Fallenergiedämpfer zu sehen gewesen, nicht in der Haltbarkeit der Karabinerarme. Daher ist die Problematik neu. Da die Karabinerarme wegen der Fallenergiedämpfer eigentlich keinen so hohen Belastungen ausgesetzt sind - wie z.B. ein Klettergurt oder Expresschlingen - ist die definierte Minimalbruchkraft der Schlingen nach Norm auch deutlich darunter. Wenn diese allerdings durch Abrieb ihre ursprüngliche Haltbarkeit verlieren, ist sehr schnell der Grenzwert erreicht, bei dem die Energiedämpfer gar nicht mehr anspringen. Damit reißen die Schlingen.

Die aktuelle Problematik ist, dass nicht alle Klettersteigsets der verschiedenen Hersteller mit dem gleichen Bandmaterial ausgestattet sind und damit nicht generell alle Klettersteigsets betroffen sind. Damit gibt es Hersteller, die auf Grund des verwendeten Materials ihre Klettersteigsets zurückrufen mußten. Andere haben in Tests festgestellt, dass ihr Material die Anforderungen auch nach den zusätzlichen Tests erfüllt.

Auf Grund der stückweise erlangten Erkenntnisse konnte ein neues Testverfahren entwickelt werden, das die Verschmutzung in Verbindung mit einer Nutzung zusätzlich zu den bisherigen Testverfahren testet. Da dieses Testverfahren aber bisher nicht Bestandteil bisheriger Tests, und bisher auch nicht Grundlage der geltenden EN-Norm oder der UIAA-Standards ist, müssen diese neuen Erkenntnisse schnellstmöglich in die Normausschüsse eingebracht werden. Die UIAA hat, als Ergebnis des Treffens des UIAA-Sicherheitskommission und 16 Herstellern von Klettermaterial angekündigt, ihren Sicherheitsstandard für Klettersteigsets dahingehend zu überarbeiten.

Die neuen zusätzlichen Tests sehen vor, dass die elastischen Karabinerarme mit mind. 50.000 Zugbewegungen mit und ohne Verschmutzung getestet werden. Die Mindestbruchlast der Schlingen muss 9 KN betragen, auch nach den Tests. Nicht nur mehr im Neuzustand.

Dass Schlingenmaterial, wie Gurte, Schlingen, Seile reißt, hatte bisher sehr überschaubare Gründe. Und es ist äußerst selten. Die Ursachen waren bisher das Abscheren z.B. durch scharfe Felskanten und Belastung oder Steinschlag, defekte Nähte oder Säuren z.B. Autobatterieflüssigkeit. Das Alter oder die Nutzung und Verschmutzung an sich spielte dabei keine ursächliche wesentliche Rolle. Die sogenannte Ablegereife ist ein heiß diskutiertes Thema.

Nicht erkennbare Schädigungen stellen ein tatsächliches Problem dar, auch wenn bei Klettersteigsets oder Fallenergiedämpfern im Industriebereich ein Austausch der Dämpfer auch ohne erkennbare Schäden nach einem Sturz vorgeschrieben wird.

Damit stellt sich die Frage, ob generell Testbedingungen für bestimmte Gruppen von Klettermaterial verändert werden müssen. Bei Seilen hat sich der geforderte Scharfkantetest, der die Gefahr des Abscherens an Felskanten testet nicht wirklich durchgesetzt. Mit dem Erfolg, dass es Hersteller gibt, die ihr Material danach testen und andere nicht. Über die Ausgereiftheit der Tests wird gestritten.

Die Problematik des Bruches von Karabinern bei dem Aufliegen auf Kanten, wie z.B. der Klettersteigkarabiner auf einer Befestigung des Stahlseils mit Sturzbelastung, bleibt. Hier hat es z.T. zu eigenständigen Weiterentwicklungen bei den Herstellern geführt. Aber zu keiner Veränderung der Norm. Nicht alle Hersteller berücksichtigen diese Gefahr.

Auch die Norm-Testumgebung für Karabiner (hier Schnappkarabiner für Expressschlingen), die dabei nur statisch gleichmäßig belastet werden, um den Normanforderungen gerecht zu werden, berücksichtigt bisher dynamische Kräfte nicht. Und das, obwohl Untersuchungen der International Sports Engineering Association (ISEA) bereits 2009 aufgezeigt haben, dass es erhebliche Abweichungen der gemessenen Bruchwerte bei den bisher nur geforderten statischen zu den Werten der dynamischen Tests gibt. Bei den geringen Mindestanforderungen in der Norm sind Karabinerbrüche wahrscheinlich. Bisher haben diese Erkenntnisse keinen Einzug in die Norm gefunden und zu der Veränderung einer Testumgebung geführt.

Die UIAA hat in einigen Materialgruppen schon immer höhere Sicherheitsstandards angesetzt als die geltenden Normen vorgaben. Damit wird wahrscheinlich die UIAA auch in der Umsetzung ihrer Standards schneller sein als der zuständige Normausschuss national und auf europäischer Ebene. Ein berufen auf aktuelle Normen ist also schon immer etwas problematisch gewesen.




Gelesen 2640 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 13 März 2013 18:12
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