Mittwoch, 29 August 2012 23:00

Rückrufwelle von Klettersteigsets: Aktuelle Ergebnisse aus Tests

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Testergebnisse aus Untersuchung des Versagens von Klettersteigsets

Unterschiedliche Webarten in der Produktion der elastischen Bänder verschiedener Hersteller wahrscheinliche Ursache

Mammut, Salewa, Kong, Camp rufen zum aktuellen Zeitpunkt keine Klettersteigsets zurück

30.08.2012, Berlin: Nach Untersuchungen der schweizer Mammut AG liegen, auf Nachfrage von climbland, erste aussagekräftigere Erkenntnisse zu dem Versagen von elastischen Karabinerarme bei Klettersteigsets neuerer Generation vor.


Bei einem Klettersteigset der Firma Edelrid am 05.08.2012 führte ein Riss der elastischen Karabinerarme während eines Sturzes zu einem tödlichen Absturz in einem Klettersteig in Tirol. Dieser Vorfall führte bei allen Herstellern von Klettermaterial nach der fieberhaften Suche nach der Ursache.


Sicher war, dass es sich um ein Versagen der elastischen Karabinerarme dieser neuerer Generation von Sets handelte. Warum, und ob die ausschließliche Ursache die starke Abnutzung des Leihsets war, konnte bis jetzt nicht geklärt werden. Bei den bisherigen Tests: Materialversagen und Materialbeständigkeit ohne erkennbares Muster.

Die Produktentwicklungsabteilung der Mammut AG in der Schweiz erklärte climbland auf Nachfrage am 29.08.2012 , dass auf Grund der vorliegenden Ergebnisse, ein Rückruf ihrer Klettersteigsets zur Zeit nicht geplant ist, da die elastischen Bänder einer anderen Bauart entsprechen würden. Die Unterschiede der elastischen Karabinerarme würden in der unterschiedlichen Art der Verarbeitung des Bandmaterials liegen.


Simulierte Langzeittests und Belastungsprüfungen unterschiedlicher Klettersteigsets mit elastischen Karabinerarmen bei der Firma Mammut zeigten Unterschiede im Materialverhalten auf Grund unterschiedlicher Webarten des Materials. Der Unterschied ist fataler Weise nicht offensichtlich erkennbar. Die elastischen Bänder bestehen aus Polyamidband, welches mit der elastischen Gummieinlage direkt verbunden ist. Diese Art von elastischem Bandmaterial wird von einigen Herstellern seit 2010 in Klettersteigsets verwendet. Polyamid ist die Faser, die auch bei Klettergurten und Bandschlingen verwendet wird.

Im Gegensatz zu den von den Firmen Edelrid, Singing Rock, AustriAlpin und Edelweiss verwendeten Bändern, sei das Bandmaterial von Mammut von dieser Gefahrenproblematik nicht betroffen, da anders in den Materialeigenschaften auf Grund der anderen Webart. Nach Angaben der Firma Salewa seien ihre Klettersteigsets ebenso sicher.

 

Mit dem Datum 18.10.2012 ruft nun Mammut doch einige Serien ihrer Klettersteigserien Tec Step 2012 zurück, da festgestellt wurde, dass nach (!) angenommener Gebrauchsdauer, es eventuell doch zu sicherheitstechnischen Problemen kommen kann. Dies obwohl die elastischen Karabinerarme aus dem halbareren Material gefertigt sind.

Nach den ersten Ermittlungen der Innsbrucker Behörden und der Staatsanwaltschaft Innsbruck als Folge des Unfalls, konnten die Behörden climbland kurz nach dem Unfall auf Nachfrage im Laufe der letzten Wochen nur mitteilen, dass es sich um ein Materialversagen handelte und der Hersteller mit Tests und Ursachenforschung begonnen hätte. Das dann bisher bekannte Ergebnis der Tests war, dass das elastische Bandmaterial auf Grund besonders starker Abnutzung versagen konnte. Die Ermittlungen sind in dem Fall aber noch nicht abgeschlossen, so dass die Tests der Hersteller eher unabhängig von dem bisherigen Ermittlungsstand zu sehen sind.

Seit Wochen forschen nun alle Klettermaterialhersteller intensivst nach den Ursachen eines Versagens der Stretchbänder wie bei dem Edelrid-Klettersteigsets, welcher zu dem tödlichen Unfall führte. Nachfragen bei den unterschiedlichen Herstellern führte bisher zu unterschiedlichen Aussagen: "Wir stellen fest, dass in Einzelfällen bei den Tests die Karabinerarme den Normanforderungen nicht mehr gerecht werden" ."Wir können keine Normabweichung feststellen". In beiden Fällen führten diese Erkenntnisse zu Rückrufen der betroffenen Klettersteigsets.

Der Lösungsansatz von climbland, dass es sich um eine verstärkte Abnutzung der Bänder durch die Bewegung in den immer gleichen Knickstellen handelt, konnte weder von AustriAlpin (Österreich) noch von Mammut (Schweiz) in den vergangenen Tagen auf Grund der von ihnen durchgeführten Tests generell bestätigt werden. Diese Erkenntnisse stehen im Gegensatz zu den am 30.08.2012 von den Alpenvereinen veröffentlichten Erklärung, auch wenn die unsrige als auch die der Alpenvereine nach wie vor nicht ohne Logik scheint. Auch der simple Ansatz der Materialdicke scheint bisher keine wesentliche Rolle zu spielen. Dies scheint ebenfalls zu einfach. Die Erklärung über die unterschiedlichen Webarten scheint hier tatsächlich der richtige Forschungsansatz nach dem Warum zu sein. Die Feststellung: die einen reissen bei starker Abnutzung und die anderen nicht, reicht jedenfalls nicht, um Versagen und Nichtversagen schlüssig zu erklären.

 

Die nicht zu unterscheidenen Fertigungsarten der elastischen Bänder und der Einsatz dieser je nach Hersteller, machen die Problematik zur Zeit aber unübersichtlich. Die Hersteller der Klettersteigsets halten sich bei der Nachfrage nach den Lieferanten bedeckt.

Betroffen sind zur Zeit die Klettersteigsets folgender Hersteller: Edelrid, AustriAlpin, Singing Rock (Lanex), Edelweiss, Climbing Technology, Wild Country, Stubai, Ocún. Hier erfolgte ein Rückruf. Ebenso aktuell mit dem 18.10.2012 Kletterssteigsets der Firma Mammut.

Nicht betroffen sind nach eigenen Angaben die Klettersteigsets in dieser Fertigungsart der folgenden Hersteller:  Salewa, Skylotec, Simond.

Die tschechischen Firmen Rock Empire, Singing Rock and Ocún haben in Untersuchungen festgestellt, dass bei ihre Klettersteigsets die Bruchlastwerte stark abnehmen. Singing Rock und ganz aktuell Ocún haben ihre betroffenen Kletterteigsets zurückgerufen. Rock Empire sah keinen Bedarf eines Rückrufs, da diese Abnahme der Haltbarkeit sowieso der kalkulierten Lebensdauer ihrer Klettersteigsets entsprechen würde.

Ebenfalls nicht betroffen: Firmen, wie Black Diamond, Petzl, Camp, Cassin, Kong, Lacd (Laco), Elliot und Anlo haben ebenfalls Klettersteigsets mit elastischen Karabinerarmen im Programm, aber mit einem anderem Konstruktionsprinzip der elastischen Schlingen (andere Bauart), und seien nach Aussagen der Hersteller damit von der Problematik nicht betroffen. Aber Achtung: für die älteren Klettersteigsets Scorpio von Petzl (ohne elastische Arme) ist der Rückruf immer noch aktuell.


Bei allen anderen nicht aufgeführten Herstellern sollte ebenfalls vorerst Vorsicht bei dem Gebrauch geboten sein. Im Falle bei dem Hersteller direkt nachfragen. Der Händler wird meist weniger Informationen haben, da die Informationsweitergaben zwischen Hersteller, Zwischenhändler, Einzelhandel und Verkäufer leider häufig nur ungenügend funktioniert und inzwischen die Übersicht ja nicht ganz leicht ist.

Die UIAA-Sicherheitskommission tagte am 6.9.2012 in Bern. Die Pressemitteilung vom 13.09.2012 ruft alle Klettersteigset-Nutzer dazu auf, Informationen zu ihrem Material einzuholen und sich zu vergewissern, dass ihr Material vom Hersteller freigegeben ist.

Eine tabellarische Übersicht der Klettersteigsets und der Firmen findet sich hier.

Der aktuelle Stand verändert sich fast täglich. Bitte unbedingt, auch wenn Sie von den Rückrufen nicht betroffen scheinen, in der nächsten Zeit immer wieder nach Ihrem Material und eventuellen Rückrufen präventiv nachschauen. Dies gilt auch für die zum jetzigen Zeitpunkt von den Herstellern "frei gegebenen" Klettersteigsets.

ACHTUNG: Mit anderer Problematik erfolgten zum 25.02.2013 weitere Rückrufe von Klettersteigsets der Firmen Salewa, Edelrid und Mammut.

Wir bleiben an diesem Thema dran, wie auch an anderen Sicherheitsthemen im Kletter- und Alpinsport, wie auch bei den Sicherheitsthemen für Hochseilgärten und Abenteuerparks.

 

Alle Rückrufe finden Sie hier unter Materialwarnungen in deutscher und englischer Sprache.

Gelesen 5122 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03 April 2013 19:03
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