Warum eigentlich diese Frage?

 

In unserer langjährigen Praxis sind wir immer wieder, vor allem mit Künstlichen Kletteranlagen konfrontiert, in deren Prüfberichten beschriebene Ergebnisse, unter Berufung auf die einschlägigen Normen, nachweisbar nicht durchgeführt wurden. Anlagen, bei denen sich bei Nachprüfung auf Grund fehlender Prüfergebnisse, Mängel v.a. bei den lebensschützenden Sicherungspunkten gezeigt haben. Anlagen, die aber eine "Erstabnahme" durchlaufen haben sollen, bestätigt durch bekannte Prüforganisationen oder "Sachverständige für Spielplätze". Manchmal auch nur eingerichtet und bestätigt durch einen, "der klettern kann". Anlagen, deren bauliche Schäden nun mal oben waren, wo nur durch hineinklettern in die Anlage eine Entdeckung möglich war. Eine Neuanlage, deren Schweisspunkte hinter den sichtbaren Teilen bereits vor Inbetriebnahme rosteten, eine Neuanlage, die nicht normgerecht war, eine Bestandsanlage, bei deren Nachprüfung trotz vorjähriger "Abnahme", die Sicherungspunkte abbrachen. Und immer wieder Inspektionsberichte von Prüforganisationen bei denen nicht nachvollziehbar ist, was da überhaupt inspiziert und geprüft wurde z.T. auf Grund fragwürdiger Grundlagen.

Künstliche Kletteranlagen, Boulderanlagen und Hochseilgartenanlagen sind keine Spielplätze und unerliegen daher speziellen und weitergehenden Normen.

Woran erkenne ich also nun, ob eine Inspektion oder Prüfung von Kletterwänden, Kletteranlagen oder Hochseilgartenanlagen seriös durchgeführt wird?

Eine Inspektion oder Prüfung einer Kletterwand, Kletteranlage oder eines Hochseilgartens, ohne dass der oder die Inspekteure in die Anlage klettern, ist generell unseriös.

Eine Beurteilung eines Istzustandes ist aus der Ferne nicht möglich und eventuelle Schäden mit dem Fernglas ausmachen zu wollen, ist vermessen.

Klettern können reicht aber auch nicht.

Eine Inspektion erfolgt nach einem im Vorfeld festgelegten Plan, systematisch. Diesen sollte die Inspektionsstelle verständlich erklären können. Fragen Sie ruhig nach, warum der eine oder andere Punkt mehr oder weniger Wichtigkeit hat. Eine Inspektionsstelle, die Ihre Anlage wirklich auf den Prüfstand stellt, hat nach Sichtung oder Bildern bereits einen individuellen internen Inspektionsplan für Ihre Anlage erstellt, nach dem die einzelnen Punkte dokumentierbar sind.

Ein seriöses Angebot beinhaltet als Tätigkeitsbeschreibung mehr als den Posten: "Inspektion nach DIN EN..." oder "Prüfung nach DIN EN...". Anhand der Posten im Angebot läßt sich bereits ablesen, ob es sich um ein individuelles Angebot für Ihre Anlage handelt oder ob da jemand ohne Sach- und Fachkompetenz ein Angebot abgibt. Bei Prüfangeboten mit Belastungstests ist es unseriös, den Kunden mit der Problematik der "Gegengewichte" allein zu lassen. Die zu beauftragende Firma sollte eigenes Material haben und nach Bedarf einsetzen. Fragen Sie nach.

Ein seriöses Unternehmen arbeitet in der Höhe immer mit mindestens zwei Leuten, schon aus Sicherheitsgründen.

 

Ein besonderes Augenmerk muss bei einer technischen Inspektion auf die Kunden-/Nutzersicherheit gelegt werden. Bei künstlichen Kletteranlagen sind dies vor allem Umlenk- und Sicherungspunkte, Kletterflächen und der Zustand des Tragwerkes; bei Hochseilgartenanlagen vor allem der Sitz, Funktionsfähigkeit und baulicher Zustand der verbauten Sicherungssysteme, Veränderungen der Konstruktionen, Zustand der tragenden Bäume oder Masten etc.

Belastungsprüfungen müssen nur vorgenommen werden, wenn die Anlage erstmalig abgenommen wird oder wenn auf Grund einer Inspektion Fragestellungen aufgetreten sind oder wenn an den Sicherungssystemen Veränderungen vorgenommen wurden, die eine erneute oder eine Nachprüfung durch Belastungsprüfung notwendig machen.

Als Betreiber oder Eigentümer sollten Sie darauf achten, von der Inspektions-/Prüfstelle alle erforderlichen Informationen über die eigene Anlage zu bekommen. Diese dienen als Grundlage für eventuelle Reparatur- oder Sanierungsmaßnahmen.

Ein seriöser Inspektionsbericht stellt den Zustand und den Zustand der Betriebssicherheit der Anlage als Ergebnis in Wortlaut fest. Ein Prüfbericht weist die gemessenen Einzelergebnisse aus. Darüber hinaus dokumentiert ein Bericht die durchgeführten Arbeiten transparent.

Es wäre falsch anzunehmen, dass Sie als Betreiber oder Eigentümer im Falle eines Unfalls, der auf mangelnde Wartung, Inspektion oder Prüfung zurückzuführen ist, nicht mit in die Haftung genommen werden könnten. Die Auftragsvergabe alleine verlagert nicht automatisch die Haftungspflicht. Nur wenn der Betreiber oder Eigentümer nachweisen kann, dass von seiner Seite die erforderlichen Maßnahmen veranlasst und getroffen wurden, ist die inspizierende Stelle in der Haftungspflicht.

 

Ein seriöser und aussagekräftiger Inspektions- und Prüfbericht verhindert also böse Überraschungen: bei Ihnen als Betreiber oder Eigentümer, auch wenn die Ergebnisse manchmal ebenfalls Überraschungen bieten können.

Für Fragen und weitere Erfahrungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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